Das von der Peter Beate Heller-Stiftung im Stifterverband geförderte Forschungsvorhaben „ChronoBlue – Licht, Leistung, Lebensqualität“ untersucht, wie gezielt eingesetztes Blaulicht die innere Uhr des Menschen beeinflussen kann, um körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden und Regeneration nachhaltig im Tagesverlauf zu optimieren. Das Projekt bewegt sich im Spannungsfeld zwischen dem evolutionär geprägten circadianen System und den Anforderungen einer modernen 24/7-Gesellschaft, die natürliche Tag-Nacht-Rhythmen zunehmend herausfordern. Sogenannter „Social Jetlag“ – also eine Verschiebung zwischen genetisch verankerter innerer Zeitstruktur und sozial vorgegebenem Zeitplan – ist weit verbreitet und mit erhöhten Risiken für Krebs-, Stoffwechsel-, Herz-Kreislauf- sowie psychische Erkrankungen verbunden. Ziel des Forschungsvorhabens ist es deshalb, dieser Beeinträchtigung von chronobiologischen Prozessen gezielt gegenzusteuern.
Für dieses Gegensteuern sind äußere Zeitgeber von zentraler Bedeutung. Der stärkste äußere Zeitgeber des circadianen Rhythmus ist Licht, insbesondere kurzwelliges blaues Licht. Dieses wirkt über Melanopsin-haltige retinale Ganglienzellen auf den Nucleus suprachiasmaticus im Hypothalamus – das zentrale Taktzentrum unserer inneren Uhr, das unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Hormonfreisetzung, die Körpertemperatur und die tageszeitabhängige Leistungsfähigkeit koordiniert.
ChronoBlue setzt an dieser Schnittstelle von Licht, innerer Uhr und Gesundheit an und versteht Blaulicht als steuerbares Element einer „therapeutischen Landschaft“, das natürliche Lichtbedingungen dort simulieren kann, wo der Zugang zu Wald, Natur und Tageslicht begrenzt ist. Damit fügt sich das Projekt in das Förderprogramm „Gesunde Orte – Therapeutische Landschaften“ ein und untersucht die zeitliche Dimension gesundheitsförderlicher Lichtumgebungen – also die Frage, wann welches Licht gesundheitsförderlich ist – und macht diese Erkenntnisse für den Alltag nutzbar.
In der geförderten Projektvariante wird eine Kohorte von Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern in Kooperation mit dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) untersucht. Im Leistungssport können bereits geringe Unterschiede in der körperlichen und kognitiven Leistungsfähigkeit wettkampfrelevant sein, wodurch Einflussfaktoren wie Tageszeit, individueller Chronotyp und (Social) Jetlag besondere Bedeutung gewinnen. Ziel ist es, das individuelle Leistungsmaximum zeitlich auf die Anforderungen in Training und Wettkampf abzustimmen.
Aufbauend auf einer umfangreichen Baseline-Erhebung zu Chronotyp, Schlafqualität, physiologischen Stressmarkern, Körperkerntemperatur und sportlicher Leistung werden Blaulicht-Interventionen mittels spezieller Brillenbügel in chronobiologisch sensiblen Zeitfenstern (z. B. während der Morgen- und Abenddämmerung) durchgeführt, um die Phasenlage der inneren Uhr gezielt zu verschieben. Flankiert wird das Kooperationsprojekt durch eine kontrollierte Laborstudie, um die Auswirkungen der Phasenanpassung auch biochemisch quantifizierbar zu machen.
Obwohl das Projekt derzeit die Spitzensport-Kohorte untersucht, bleibt der gesellschaftliche Anspruch ausdrücklich erhalten: Die Ergebnisse sind grundsätzlich auf breitere Bevölkerungsgruppen übertragbar. Die im Sport gewonnenen Erkenntnisse sollen in evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für Menschen in urbanen Lebenswelten, für Schichtarbeitende, ältere Menschen oder Personen in pflegerischen Einrichtungen übersetzt werden. Die Vision des Projekts ist eine Art „Lichtkompass“ für die innere Uhr, der vielen Menschen helfen soll, ihre Lichtumgebung besser auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit abzustimmen.